Gemeinsame Projekte

Von Margarete und Hans Weidinger.

 

Gemeinschaftliches Wohnprojekt Schlossäckerstraße

Umnutzung einer ehemaligen Schokoladenfabrik (2 Bestandsgebäude) und Erweiterung durch ein neues Holzhaus. Ein gemeinsames Projekt für Wohnen und Arbeiten mit 11 Einheiten.

 

Die wichtigsten Baudaten

Baujahr: 2013-2014
Wohnfläche: 1130 m²
Nutzfläche: 1270 m²
Umbauter Raum:  5500 m³
Bewohner: ca. 15
Energie: Zentrale Pelletheizung mit Wandtemperierung
Standard: Niedrigenergie-Standard

 

Idee

Unmittelbar hinter der Bahntrasse gelegen- aber vom Schienenlärm durch eine viergeschossige Blockrandbebauung gut geschützt- bestimmten zwei winkelförmige Gebäude einen großzügigen Hinterhof. Diese Rückgebäude der Schlossäckerstraße 24 teilten sich die Hausnummer mit dem Vordergebäude, besaßen aber zwei eigene Flurnummern. Das Vordergebäude wurde 1879 errichtet, wurde aber im Krieg durch Brandbomben wohl sehr beschädigt und in den 50er Jahren neu aufgebaut. Seit 1904 wurde der Hinterhof mit Gewerbebauten bebaut. Als Bauherr trat die Noris- Schokoladen und Konfitürenfabrik auf, Inhaber war Carl Bierhals. Die Bestandsbauten wurden in einem zweiten Bauabschnitt bis 1921 erweitert, wobei die Konturen und Fassaden durch diverse Nebengebäude abgewandelt wurden. Die Rückgebäude wurden im II. Weltkrieg ebenfalls fast vollständig zerstört: 1949 war nur mehr das Gebäude 1 vorhanden. Nachdem die Schokoladenfabrik Anfang der 1950er-Jahre aufgelöst war, wurde 1955 das Gebäude 2 als verglaster Industriebau im Stil des Bauhauses hinzugefügt. Die Gebäude wurden in der Folge von verschiedenen Gewerben genutzt. Zuletzt waren eine rumänisch- orthodoxe Kirche, eine Schlosserei und das Atelier eines Silberschmieds dort untergebracht. Seit 2000 versuchte ein Bauträger eine Vermarktung der Gebäude, scheiterte jedoch an der geringen Akzeptanz der Loftwohnungen. Nach ersten Gesprächen mit dem Verkäufer unter Mitwirkung von zwei weiteren Initiatoren stellte sich heraus, dass die relativ hohen Grundstückskosten nur durch einen zusätzlichen Neubau abzufedern wären. Gleichzeitig sollte der Charme der ruhigen Binnenlage unter einem großen Baum durch komplette Entsiegelung der Oberflächen aufgewertet werden. In diversen Gesprächen mit den örtlichen Behörden konnte ein Konzept, mittels niedriger winkelförmiger Gebäude eine räumliche Hofbildung zu erreichen, konkretisiert werden.

 

Bauausführung

Die drei Gebäude werden je nach ihren Entstehungszeiten nicht nur technisch und energetisch sondern auch städtebaulich als ein gemeinsames Element- als Stadtbaustein- betrachtet. Die winkelförmige Struktur bewirkt, das sich die dazwischen liegenden Freibereiche untereinander verklammern und starke räumliche Bezüge zwischen den Bausteinen hervorrufen. Wie im größeren Maßstab wurde auch im Kleinen versucht, mittels neuer Innenhöfe, bestehender Anbauten und Gebäudeeinschnitte intime Wohnsituationen zu verweben. Die Grundrissaufteilung erfolgte bereits von Anfang an im Abstimmungsprozess unter wesentlicher Mitwirkung der Interessenten und wurde deshalb auch mehrmals abgeändert. Die Fassaden wurden nach einer gemeinsam entwickelten Leitschnur auf der Basis des Bestands den neuen Bedürfnissen angepasst, wobei sich einzelne Baumitglieder untereinander abstimmten und so auch zu neuen Bauformen gelangten, die aber im Plenum aller Mitwirkenden diskutiert wurden. Ebenso im partizipatorischen Prozess entstanden die Außenanlagen mit einem Schwimmteich, Kräutergarten, Obstbäumen, Lauben und einem Spielplatz unter dem großen Hausbaum. Die Stellplätze wurden konzentriert am Eingang platziert, damit auf dem großzügig begrünten Gelände kein Fahrverkehr stattfinden sollte. Die Gebäude wurden energetisch dem neuesten Standard angepasst, die Wärmedämmung sollte ökologisch reversibel sein. Die Gebäude sollen mit Wandtemperierung von einer gemeinsamen Pelletheizung versorgt werden.

 

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